Die Stiftshütte in der Bibel

Die Stiftshütte ist nicht bloss ein Bauwerk, sondern sie beinhaltet sehr viel Symbolik. Dieser Beitrag beleuchtet die verschiedenen Symbole.

Gott mit uns

In den Kapiteln 25 bis 31 des zweiten Buch Mose erhalten wir einen detaillierten Bericht über die Stiftshütte. Die Stiftshütte ist ein sehr gutes Bild für Christus und unseren Zugang zu Gott. Jeder Bestandteil der Stiftshütte weist auf Jesus Christus hin. Gott beauftragte Moses zur Errichtung der Stiftshütte mit der Absicht damit Er in der Mitte seines Volkes wohnen konnte (2. Mose 25, 8). Die Stiftshütte kam auch im Zentrum des Lagers der Israeliten zu stehen. Rund um die Stiftshütte lagerte sich das Volk Israel nach Stämmen geordnet. Einen Namen, den Jesus von Jesaja erhielt war Immanuel: Gott mit uns (Jes 7, 14). Schon hier sehen wir, dass Gott die Nähe zu den Menschen gesucht hat.

Der Vorhof der Stiftshütte

Die Stiftshütte war von einem Vorhof umgeben, der wiederum durch einen Umhang vom übrigen Lager der Israeliten abgetrennt war. Die Abmessungen waren 100 auf 50 Ellen. An der Ostseite war der einzige Zugang zum Vorhof. Der Zugang wurde von einem Vorhang bedeckt, der aus blauem und rotem Purpur, Karmesin und gezwirntem Byssus bestand. In diesen Vorhof hatte jedermann zutritt. Dieses Tor weist auf Christus hin, der der einzige Weg zu Gott ist. Nach diesem Tor traf man auf den bronzenen Altar.

Der bronzene Altar

Auf diesem Altar wurden die Opfer dargebracht. Er wurde auch Altar der Brandopfer genannt. An diesem Altar kam niemand vorbei, der sich Gott nähern wollte. Nicht die Einhaltung der Zehn Gebote erlaubten die Annäherung an Gott, sondern den stellvertretenden Opfertod eines Tieres. Im Glauben legten die Israeliten die Hand auf den Kopf des Opfertieres und übertrugen so die Sünden auf das Tier. Das Blut des Opfertieres bedeckte nur die Sünden des betreffenden Menschen und blieben auch zugedeckt bis Gott kam und sie durch Jesus Christus vollständig wegnahm.

Daher symbolisiert der bronzene Altar auch das Kreuz von Jesus. Jesus selbst wurde das perfekte Opferlamm genannt. Er, der ohne Sünden war, nahm stellvertretend für uns unsere Sünden auf sich. Diese Sünden sind nicht wie bei einem Tier einfach zugedeckt, sondern weggetan. Sie existieren nicht mehr.

Das bronzene Becken

Hinter dem bronzenen Altar stand das bronzene Becken, das mit Wasser gefüllt war. Aaron und seine Söhne mussten sich dort vollständig waschen (2. Mose 29, 4). Danach genügte das Waschen von Hände und Füssen, bevor sie in die Stiftshütte gingen (2. Mose 30, 20 -21). Das Becken bestand aus poliertem Bronze. Es ist das gleiche Material, dass die damaligen Frauen als Spiegel benutzten. Wenn sich die Priester dem Becken näherten und ihr Spiegelbild sahen, wussten sie wo sie schmutzig waren. Das Wasser im Becken diente dann zur Reinigung.

Waschungen

Nach dem Altar musste der ganze Mensch gewaschen werden. Es ist ein Symbol der Wiedergeburt:

Als aber die Güte und die Menschenliebe unseres Heiland-Gottes erschien, errettete er uns, nicht aus Werken, die, in Gerechtigkeit vollbracht, wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit durch die Waschung der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes, welchen er reichlich über uns ausgegossen hat durch Jesum Christum, unseren Heiland, auf dass wir, gerechtfertigt durch seine Gnade, Erben würden nach der Hoffnung des ewigen Lebens. (Titus 3, 4 – 7)

Durch unser alltägliches Leben kann es vorkommen, dass wir sündigen. Deshalb müssen Hände und Füsse am Becken gereinigt werden. Hände und Füsse repräsentieren unsere Taten. Wir müssen nicht zum Altar zurück, da das Opfer ein für alle Mal für unsere Sünden geopfert wurde. Unser gerechter Stand vor Gott bleibt bestehen, doch durch unsere Sünden kann die Gemeinschaft mit Gott gebrochen werden. Auch die komplette Waschung ist nicht mehr nötig, da nicht mehr der ganze Mensch beschmutzt wurde. Deshalb müssen wir nicht zurück zum Altar. sondern müssen zum bronzenen Becken gehen.

Das Wort Gottes

Die Bibel, das Wort Gottes, wird auch als Spiegel verglichen (siehe Jak. 1, 23). Wenn wir im Wort Gottes lesen, dann halten wir ein Spiegel vor unser Gesicht und können erkennen, wo wir falsch liegen. Gleichzeitig ist das Wort Gottes auch das Wasser, das uns reinigt:

… auf dass er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort (Eph 5, 26)

Das Becken weist auf das Leben, das wir durch Jesus Christus erhalten. Jesus wird das Wort genannt, das unter uns wohnte (Joh. 1, 14), und in diesem Wort war Leben (Joh. 1, 4). Jesus erklärte Nikodemus um was es bei der Neugeburt ging:

Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand aus Wasser und Geist geboren werde, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen. Was aus dem Fleische geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geiste geboren ist, ist Geist. Verwundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsset von neuem {O. von oben her} geboren werden. (Joh. 3, 5 – 7)

Das Zelt

Als nächstes kommt das eigentliche Zelt der Begegnung. Die Stiftshütte bestand aus zwei Lagen. Die äussere sichtbare Lage wurde aus Dachsfellen gemacht. Die Felle hatten eine düstere und unattraktive gräuliche Farbe. Darunter befand sich eine Lage aus rotgefärbten Widderfellen (2. Mose 26, 14). Für einen Aussenstehenden hatte dieses Zelt keinen Reiz. Wie ist die Parallele zu Jesus naheliegend. Ein Aussenstehender findet bei blossem Betrachten von Jesus nichts attraktives. Erst das Betreten des Zeltes offenbart den grossen Reichtum. Darum müssen wir als Christen, als jene Personen, die den Reichtum in Jesus Christus kennen, dies den Menschen bekannt machen.

Als Jesus auf diese Erde kam beschrieb es Johannes mit den Worten zelten oder Zelt aufschlagen (Joh. 1, 14). So die Bedeutung des griechischen Wortes für wohnen im Urtext. Nachdem die Israeliten für Hunderte von Jahren dieses Bild des Zeltes der Begegnung hatten, kam das wahre Zelt, in dem Gottes Herrlichkeit war, auf die Erde und lebte unter uns. Äusserlich gesehen hatte sich Jesus nicht von anderen Menschen unterschieden. Einen grossen Teil seines Lebens arbeitete er als Zimmermann. Er lebte und arbeitete in Nazareth. Die Menschen der damaligen Zeit hatten ein Sprichwort, dass nichts Gutes aus Nazareth komme.

Das Innere der Stiftshütte

Um in das Innere des Zeltes zu gelangen musste man durch einen Vorhang, der aus blauem und rotem Purpur und Karmesin und gezwirntem Byssus (=Leinen) bestand.

Das Innere des Zeltes bestand aus zwei Teilen. Im vorderen Teil befand sich der goldene Leuchter, die Schaubrote und ein Räucheraltar. Durch einen Vorhang wurde das Allerheiligste vom vorderen Teil getrennt. Im Allerheiligsten befand sich die Bundeslade mit den Steintafeln, die die 10 Gebote enthielten.

Der goldene Leuchter

Der goldene Leuchter wurde aus einer Masse Gold geformt. In 2. Mose 25 finden wir eine detaillierte Beschreibung des Leuchters:

Und du sollst einen Leuchter von reinem Golde machen; in getriebener Arbeit soll der Leuchter gemacht werden, sein Fuss und sein Schaft; seine Kelche, seine Knäufe und seine Blumen sollen aus ihm {d.h. aus einem Stück mit ihm} sein. Und sechs Arme sollen von seinen Seiten ausgehen: drei Arme des Leuchters aus seiner einen Seite und drei Arme des Leuchters aus seiner anderen Seite. Drei Kelche, mandelblütenförmig, an dem einen Arme: Knauf und Blume; und drei Kelche, mandelblütenförmig, an dem anderen Arme: Knauf und Blume; also für die sechs Arme, die von dem Leuchter ausgehen. Und an dem Leuchter {d.h. dem Schafte} vier Kelche, mandelblütenförmig: seine Knäufe und seine Blumen; und zwar ein Knauf unter zwei Armen aus ihm, und wieder ein Knauf unter zwei Armen aus ihm, und wieder ein Knauf unter zwei Armen aus ihm, für die sechs Arme, die von dem Leuchter ausgehen. Ihre Knäufe und ihre Arme sollen aus ihm {d.h. aus einem Stück mit ihm} sein; der ganze Leuchter eine getriebene Arbeit, von reinem Golde. Und du sollst seine sieben Lampen machen; und man soll seine Lampen anzünden, {Eig. aufsteigen lassen; dasselbe Wort, welches für das Opfern der Brandopfer gebraucht wird} so dass sie gerade vor ihm hin scheinen; {Eig. so dass eine jede gerade vor ihm hin scheine} und seine Lichtschneuzen und seine Löschnäpfe von reinem Golde. Aus einem Talent reinen Goldes soll man ihn machen mit allen diesen Geräten. Und sieh zu, dass du sie nach ihrem Muster machest, welches dir auf dem Berge gezeigt worden ist. (2. Mose 25, 31 -40)

Vom goldenen Leuchter können wir viel lernen: Gold steht für die Gottheit. Der Leuchter selbst steht für Gott den Vater. Der zentrale Schaft repräsentiert Gott den Sohn und das Öl symbolisiert Gott den Heiligen Geist. Die sechs Arme, die vom Schaft ausgehen, repräsentieren die Gemeinden, die durch den Heiligen Geist gespiesen werden. Die sechs Arme gaben nicht einfach nur Licht, sondern waren auch so angeordnet, dass sie den zentralen Schaft, Jesus, beleuchteten.

Wie schon gesagt sind zentraler Schaft und die sechs Arme aus einem Stück Gold geschaffen. Jeder der sechs Arme wird von der Mitte her mit Öl versorgt. Erinnert uns das nicht an das Gleichnis von Jesus, in dem er sagte, dass er der Weinstock und wir die Reben sind. Wir müssen fest mit ihm verbunden sein, damit der Lebenssaft in uns hinein fliessen kann.

Jesus hat uns auch gesagt, dass wir das Licht der Welt sind (Mt. 5, 14). Nicht nur geben wir Licht in diese dunkle Welt ab, sondern mit unserem Leben werfen wir auch Licht auf Jesus und verherrlichen ihn damit.

Schaubrote

Auf der gegenüberliegenden Seite finden wir den Tisch mit den Schaubroten. Für jeden Stamm lag ein Brot auf dem Tisch, darum repräsentieren die Brote die ganze Nation, die in einem Bund mit Gott steht. Jeden Sabbat assen die Priester die alten Brote und tranken vom Wein, der neben den Broten stand. Brot und Wein wurden darauf ersetzt. Der Tisch mit den Schaubroten weist auf das Abendmahl hin, das wir zur Erinnerung nehmen sollen. Wir gedenken damit, dass Jesus für unsere Sünden gestorben ist, was mit dem bronzenen Altar symbolisiert wurde. Da Jesus das perfekte Opfer dargebracht hat, brauchen wir keine Tiere mehr zu opfern. An die Stelle des Opfers kommen Brot und Wein, die das Leben (Leib und Blut) von Jesus symbolisieren.

Das Allerheiligste

Das Zelt wurde durch einen Vorhang zwischen Heiligtum und Allerheiligsten getrennt. Vor diesem Vorhang kam ein kleiner Räucheraltar zu stehen (2. Mose 30, 1 – 10). Zweimal am Tag, am Morgen und am Abend, musste Aaron gutes Räucherwerk darauf verbrennen. Einmal im Jahr am Versöhnungstag besprenkelte der Hohepriester die Hörner des Räucheraltars mit dem Blut des Sühnopfers. Danach konnte der Hohepriester mit Blut und Räucherwerk ins Allerheiligste gehen. Der Vorhang verdeckte Gottes Gegenwart damit niemand Ihm nähern konnte. Weil das Opfer noch nicht vollständig war, war auch der Zugang zu Gottes Gegenwart versperrt. Das Opfer deckte nur die Sünden zu und musste jedes Jahr wiederholt werden. Erst das Opfer von Jesus radierte die Sünden komplett aus.

Räucherwerk

Räucherwerk ist ein Symbol für Gebet. Es sind dies unsere Gebete, aber auch diejenigen des Hohenpriesters. Seit Jesu Tod und Auferstehung ist Jesus unser Hohenpriester und Er bringt Gebete in unserem Namen dar.
Der Vorhang zwischen Heiligtum und Allerheiligsten ist so gewoben worden, dass wenn je zwei Ochsen auf jeder Seite angebunden wurden und sich voneinander wegbewegten den Vorhang nicht zerreissen konnten. Der Vorhang verdeckte die Herrlichkeit Gottes. So verdeckte auch die menschliche Gestalt von Jesus die Herrlichkeit Gottes, die in ihm war. Als Jesus am Kreuz starb zerriss der Vorhang im Tempel von oben nach unten. Der Vorhang wurde nicht mehr gebraucht, da Jesus das perfekte Opfer darbrachte. Durch das Blut Jesu haben wir den Zugang zu Gottes Thronraum.

Die Bundeslade

Im Allerheiligsten befand sich die Bundeslade. In der Bundeslade waren Aarons Stab, ein Krug mit Manna und die Steintafeln mit den Zehn Geboten. Die Bundeslade war mit einem goldenen Deckel versehen, der auch Gnadenstuhl genannt wird. Das griechische Wort für Gnadenstuhl bedeutet auch Besänftigung: durch ein Opfer wird der Zorn Gottes abgewendet. Das hebräische Wort leitet sich von einem Zeitwort ab, deren ursprüngliche Bedeutung „zudecken“ war, aber auch „sühnen oder vergeben“ bedeutet. Nur das Blut gibt den Nachweis, dass ein Opfer dargebracht wurde. Daher musste der Hohepriester im Allerheiligsten den Gnadenthron mit Blut besprengen. Bei der Auferstehung Jesu präsentierte Jesus sein Blut vor Gott.

Ewige Bedeutung der Stiftshütte

Anhand der Stiftshütte sehen wir, dass Gott Alles gemacht hat, damit die Menschen sich mit Gott versöhnen konnte. Es gäbe noch viel über die Stiftshütte und die einzelnen Anweisungen über den Bau zu sagen, dies würde aber den Rahmen dieses Buches sprengen. Was bei der Stiftshütte einen symbolischen Charakter hatte, erhielt in Jesus Christus die Erfüllung. Schon hier sehen wir, dass Gott keine Freude daran hat, wenn Menschen seinen Zorn spüren müssen. Der Gnadenthron kann zum Ort des Gerichts werden, wenn ein Mensch nicht die Vergebung und Versöhnung Gottes annimmt. Nimmt er aber Gottes Angebot an, dann wird dieser Ort für ihn zum Ort der Gnade. Es liegt an uns, die wir Seine Gnade kennen, dass wir andere Menschen auf dieses Versöhnungsangebot hinweisen.

Opfer in der Stiftshütte

In der Stiftshütte wurden täglich Opfer dargebracht. Welche Opfer es sind und was sie bedeuten findest in meinem Beitrag Opfer im Alten Testament.

Quellenangabe Bild: Von Ruk7Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

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